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Vorwort von Dennis Pannhausen:
Genesis - Woran denken Sie als erstes, wenn Sie dieses Wort "Genesis" lesen oder hören?
An die britische Pop-Band Genesis vielleicht, mit der Phil Collins die Bühnen dieser Welt bespielte?
Oder denken Sie, wenn Sie das Wort Genesis hören, spontan an das Erste Buch Mose, welches die Schöpfungsgeschichte beschreibt (und wahrscheinlich der Band Genesis nach deren Geburt, sprich deren "Genesis", den selben Namen gab)?
Eben dieses Buch bildet den Anfang und das Fundament der Bibel. Und der Prozess der Schöpfung, von dem in diesem Buch berichtet wird, bildet nach christlichem Glauben zweifellos das Fundament für unser aller Existenz!
Und nun möchte ich, dass Sie sich einmal an eine bestimmte Situation in Ihrer Kindheit zurück erinnern; nämlich als Sie mit anderen Kindern "Stille Post" oder "Flüsterpost" spielten.
Können Sie sich erinnern, wie Sie damals kichern und lachen mussten, als Sie erfuhren, was die ursprüngliche, originale Nachricht war, und was am Ende der Flüsterkette dabei herauskam?
Nun frage ich Sie: Sollte man bei Berichten über Fundamentales wirklich auf Flüsterpost vertrauen?
Neugierig geworden? Dann lege ich Ihnen folgende "Unzeitgemäße Betrachtungen eines Latein- und Philosophielehrers zur Genesis, Kapitel I, 5" ans Herz!
Unzeitgemäße Betrachtungen eines Latein- und Philosophielehrers zur Genesis, Kapitel I, 5
© by H.D. Peltzer StD, Holzweg 16, 41352 Korschenbroich, Tel.: 02161 / 643566
Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Feststellung, dass in den meisten Bibelübersetzungen zu lesen ist: „Es wurde Abend , und es wurde Morgen : (ein) erster Tag.“ Selten: „... ein Tag.“ Martin Luther übersetzt die Stelle - etwa in der Familienbibel von Herrn P. Böhmer aus Halberstadt aus dem Jahre 1843 - so: „ Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“ In jüdischen Pentateuch-Ausgaben dagegen ist zu lesen: „Und es ward Abend und ward Morgen: E i n Tag.“
Es lag also nahe, in den Quellen nachzuschauen. Ich dachte dabei spontan an eine griechische bzw. lateinische Quelle und machte mich auf die Suche nach entsprechenden Texten. Nach anfänglichen Fehlversuchen bei Bekannten, Kollegen und Pfarrern wurde mir „erste“ Hilfe zuteil durch Pater Otho OFM Mönchengladbach, welcher mir zu einem synoptischen Text der „Vetus Latina“ aus dem Jahre 1951 (Verlag Herder) verhalf. So war es mir möglich, erste Vergleiche zu ziehen zwischen den griechischen und lateinischen Quellen. Es fehlten noch ein hebräischer Text als Urquelle und jemand, der in der Lage war, das Hebräische ins Deutsche zu übersetzen und zu erläutern. Beides fand ich bei Herrn Dr. Beihoff aus Düsseldorf, welcher damals in der Jüdischen Kultusgemeinde in Mönchengladbach tätig war. Den für mich entscheidenden Hinweis erhielt ich im Verlauf eines Gesprächs mit Herrn Dr. Beihoff: Dieser erläuterte, dass das hebräische Wort für „es ward“ auch die anderen Zeitstufen, also Gegenwart und Zukunft, m i t beinhaltet und dass außerdem in dem Wort die Buchstaben JHWH für die Namen Jahve, Jahwe, Jehova oder mit Vokalen „adonai“ stecken, also für den Namen Gottes im Alten Testament. Durch dieses Gespräch mutig geworden, erläuterte ich ihm meine Vorstellungen, wie die besagte Textstelle wohl zu übersetzen sei, und zeigte auf, dass die Adverbien bzw. Ablative „vespere“ und „mane“ möglicherweise einen Hinweis darauf geben, dass die vorher genannte Trennung von Licht und Dunkel sich zweimal vollzieht, nämlich „abends“ in der Abenddämmerung und „morgens“ in der Morgendämmerung, und dass dieser z w e i - malige Vorgang überhaupt erst e i n e n Tag ausmacht. Gestützt werden diese meine Überlegungen auch durch die ausführlichen Analysen von B. Jacob in seinem Buch „Genesis“, Verlag KTAV PUBLISHING HOUSE, INC. Hoboken, New Jersey. In diesem Zusammenhang erlaube ich mir einen Hinweis auf den Vorsokratiker Heraklit, welcher in seinen Fragmenten gezeigt hat, dass alle Gegensätze e i n e s sind, zwar nicht immer für die Sinne, wohl aber für den λόγος. Mir scheint, dass Heraklits Gedanke der M i t - Anwesenheit des Einen im gegenteiligen Anderen auch schon in der Genesis I,5 zum Tragen kommt. Deshalb ist es schon von Bedeutung, ob man diese Stelle grammatisch durch zwei Subjekte „Abend“ und „Morgen“ oder - wie in der Vulgata als Sprachquelle bezeugt - durch zwei adverbiale Bestimmungen „abends“ und „morgens“ bzw. „aus Abend und Morgen“ übersetzt. Gestützt wird diese - meine - Theorie übrigens auch durch eine Quelle, welche mir - mit freundlicher Unterstützung durch den Direktor der Hessischen Landes-Bibliothek, Herrn Prof. Dr. H. Broszinski, - erst in jüngster Zeit zur Verfügung steht, nämlich die Biblia Polyglotta aus dem Jahre 1657: Dort heißt es in der „Versio interlinearis ad Textum Hebraicum“ - übrigens 200 Jahre älter als die Vulgata - auf S. 2: „Et fuit vespera (f!), et fuit mane (n!), dies unus.“ und in der lateinischen Interpretation der Arabischen Genesis-Quelle a. a. O. auf S. 3: „Cumque praeteriisset nox et dies , dies unus.“ Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass in der Nova Vulgata aus dem Jahre 1986 (Libraria Ed. Vaticana) wieder die alte Vulgata-Fassung zu lesen ist, nämlich: „Fact um (!)que est vespere et mane , dies unus.“ Beide Vulgata-Fassungen sind grammatisch falsch, weil „factum“ Neutrum ist, „dies unus“ jedoch Maskulinum. Grammatisch richtig dagegen sind vor allem zwei lateinische Quellen:
1.) die „Versio interlinearis ad Textum Hebraicum“: „Et fuit vespera , et fuit mane , dies unus.“ und
2.) die „Vetus Latina“: „Et fact a est vesper a (f!) et fact um est mane (n!): [fact us est] dies unus.“
Eine Präsentation der Analyse mit Scans der Quellen gibt es hier:
PowerPoint-Präsentation
(von Sven Loosen)
Genesis.ppt (4,04 MB)
Genesis.zip (3,45 MB)
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