Entstehung der Abschlußarbeit des Lateinkurses 11 / 1 des Gymnasiums Korschenbroich 1996:
Und es begab sich...
..., daß sich ein Lateinkurs unter der Leitung von Herrn StD Peltzer anschickte, einen Hauch von Innovation in eine altphilologische Sprache zu bringen, um dem Fach Latein einen neuen Stellenwert in der sprachlichen Konkurrenz zu verleihen.
So wurde in der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien 1995 darüber disputiert, wie man ein solches Projekt angehen könne. Der Konsens dieses Diskurses war es, ein Hörspiel mit historischem Hintergrund aus dem Lateinunterricht zu kreieren.
Von der Thematik des aktuellen Halbjahres und aus dem Umstand heraus, daß sich eine Rede für ein solches Hörspiel besonders gut für eine Umsetzung eignen würde, entschied sich der Kurs für Ciceros erste Rede im Gerichtsprozeß gegen Verres: "Cicero in Verrem".
So formulierten kurz nach den Weihnachtsferien zwei Schüler eine Einleitung, welche die zu recherchierenden Hintergrundinformationen mit dem vorzutragenden Textausschnitt verbinden sollte.
Andere Schüler arbeiteten das historische Material auf, indem sie es auf eine für das Hörspiel geeignete Form reduzierten.
Verschiedene Vorträger wurden aus dem Kurs für verschiedene Textabschnitte bestimmt, sowohl für die deutschsprachige Kulisse, als auch für die im Originaltext belassene "Actio Prima".
Die technischen Voraussetzungen waren in der Aula des Gymnasiums Korschenbroich gegeben, das technische Personal bestand aus einem Schüler der damaligen Jahrgangsstufe 13 und dem Hörspielleiter, Herrn StD Peltzer.
Nach einigen Fehlversuchen mit der ungewohnten Situation entstand die Rohversion des fertigen Hörspiels.
Die endgültige Fassung wurde durch Nachbearbeitung mit professioneller Ausrüstung in einem privaten Tonstudio gefertigt.
Für die Hörspielarbeit erhielt der Kurs im Oktober 1996 ein Anerkennungsschreiben vom Vorsitzenden des Deutschen Altphilologenverbandes, Herrn Professor Dr. Friedrich Maier.
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Verres, Cicero und die Motivation, eine nicht besonders beliebte Sprache zu lernen
Als Hörspiel fällt das Pauken von Latein den Schülern viel leichter
Korschenbroich. Für Schüler ist das Erlernen von Latein oft nur eine ungeliebte Pflichtübung, weil das Latinum für das spätere Studium gefordert wird. Mühselige Übersetzungen und stures Vokabelpauken lassen das Fach im Schüleransehen nicht gerade hoch steigen.
Daß es aber auch anders geht, bewies eine Schülergruppe der Stufe 11 des Gymnasiums Korschenbroich. Unter der Anleitung ihres Lehrers Dieter Peltzer schrieben die Schüler ein Hörspiel über den Rechtsstreit zwischen Verres und Cicero. "Alle waren viel motivierter als sonst im normalen Unterricht", erklärt der Lateinlehrer. Mehrere Stunden, teilweise auch außerhalb der normalen Unterrichtszeiten, benötigten die Jungen und Mädchen für ihre sechsminütige Geschichte über den Streit zwischen Verres, dem römischen Statthalter von Sizilien, und Cicero, dem Anwalt der Sizilianer. Für ihre Arbeit erhielten die Schüler jetzt sogar Lob vom Vorsitzenden des Deutschen Altphilologenverbandes, Professor Dr. Friedrich Maier. Der Professor von der Humboldt-Universität zu Berlin gratulierte den Schülern zu ihrem Werk und kündigte an, daß er das Hörspiel in sein Archiv aufnehmen und es seinen Studenten vorführen wolle. Auch er würdigte das Projekt als Lernmotivation für Schüler, die sich dadurch mehr für die lateinische Sprache begeistern könnten.
Für das Hörspiel erstellten die Schüler kurze Referate über die Verbrechen des Verres und den Prozeß gegen ihn. In dem Stück soll sich der Hörer ein Bild von seinen Greueltaten machen. Verres war berüchtigt für seine Skrupellosigkeit, die nicht einmal vor geweihten und heiligen Kunstwerken Halt machte. So raubte er wertvolle Schätze, darunter Götterstatuen, Leuchter oder seltene Kunstgegenstände. Er nutzte die Gastfreundschaft und Leichtgläubigkeit von Kunstliebhabern aus und stahl, was er bekommen konnte. Verres erpreßte Beamte der Stadt Segesta und setzte das Volk durch Steuererhöhungen unter Druck, bis sie dem Tyrann nachgaben und ihm das Stadtbild der Göttin Diana überließen. 693 v. Chr. wurde Verres angeklagt und die drei besten Anwälte der damaligen Zeit verteidigten ihn gegen die Angriffsreden des Emporkömmlings Cicero. Dieser schaffte es durch seine Redekunst, die Schuld des Verres zu beweisen. Freiwillig erklärte sich der Kunsträuber bereit, in die Verbannung zu gehen.
Nach dem Erfolg, den die Schülergruppe mit ihrem Projekt hatte, ist geplant, das Hörspiel mit anderen Kursen fortzusetzen. Kle.