Vorwort des Wettbewerbteilnehmers Kristof Kamm, Stufe 11
„Als Zarathustra in die nächste Stadt kam, die an den Wäldern liegt, fand er daselbst viel Volk versammelt auf dem Markte: denn es war verheißen worden, dass man einen Seiltänzer sehen solle. Und Zarathustra sprach also zum Volke: [...]
(Aus Nietzsche: „Also sprach Zarathustra“, Vorrede 3, dtv 1999, S. 14, Z. 9-12)
Als einen Seiltanz empfand ich auch meine Teilnahme am Philosophiewettbewerb 2002/2003, veranstaltet von der Bezirksregierung Düsseldorf. Es war der erste – schulische – Wettbewerb, an dem ich partizipierte, und es war nicht immer einfach, zwischen neutraler Erläuterung und persönlicher Wertung zu unterscheiden, hin und her zu springen.
Unter der helfenden Hand von Herrn Peltzer und manch motivierenden Worten sowie mancher berechtigten Kritik entstand im Endeffekt ein Essay, der das Thema: „Worin unterscheiden sich Glauben und Wissen?“ behandelt. Auch wenn es nicht zu einer Platzierung reichte, die ein Weiterkommen ermöglicht hätte, so wurde die Teilnahme dennoch mit einer sehr netten Urkunde honoriert.
Mein Dank an dieser Stelle gebührt zum einen meinem Philosophielehrer, Herrn Peltzer, für seine Hilfe und Motivation sowie seinen Vorwort, zum anderen Herrn Pukies, meinem ehemaligen Deutschlehrer, der mir einen erstklassigen Deutschunterricht angedeihen ließ.
Im Folgenden finden sich der oben genannte Essay und die besagte Urkunde.
GYMNASIUM KORSCHENBROICH
Städtisches Gymnasium für Jungen und Mädchen
Sekundarstufe I und II
„Wir glauben nur, was wir wissen wollen. Aber wir wissen nur, was wir glauben. Was wir nicht glauben können, das wollen wir auch nicht wissen. Und was wir wissen, das glaubt uns
doch keiner.“
(Quelle: Kabarettist M. Richling)
Nun, zuerst möchte ich einer weit verbreiteten Meinung entgegenwirken, nämlich der Meinung, dass der Glaube unbedingt religiös bedingt sein muss.
Ist der Glaube doch ein „für wahr halten“, ohne die vorgegebenen Tatsachen zu hinterfragen, so findet sich Glauben selbst in der elementarsten Mathematik:
Ich darf davon ausgehen, dass Sie wissen, dass 1+1=2 ist? Nun... viele meinen, sie würden solch einfache Fragen mit ja beantworten dürfen. Doch im Grunde ist dieses „Wissen“ nur eine Weise des Glaubens. Wir hinterfragen nicht, ob 1+1=2 ist, halten wir es doch für wahr. Dass eins zu eins addiert ebenso gut 0 ergeben kann, diese Option bedenken wir meist nicht. Oder würden Sie auf die Idee kommen zu sagen, dass 1+1=0 sein kann, wenn wir einen Zahlenkörper mit der Menge der Zahlen {0;1} nehmen, so dass sich mathematisch 1+1=0 ergeben würde (der geneigte Leser wird sich an dieser Stelle mit der Gruppentheorie vertraut machen, ich möchte hier aber nicht vom Thema abweichen)? Was ich an diesem Beispiel zeigen möchte, ist, dass „Glauben“ wesentlich häufiger geschieht, als wir meinen. Wir sehen ja, dass selbst Dinge, die wir zu wissen meinen, von uns nur geglaubt werden, wie in diesem Falle glauben wir passiv, von der Veranlagung her, aus Erfahrung oder von unserer Erziehung her, aber wenn wir glauben, tun wir dies meist unbewusst.
Anders ist es da mit dem Denken bestellt. Denken setzt voraus, dass wir uns mit etwas beschäftigen, also aktiv etwas tun. Wir denken an etwas, über etwas nach, an etwas zurück.... All dies ist nicht passiv und geschieht nicht mehr unbewusst, wie beim Glauben, sondern ist aktiv und durch unsere Beschäftigung mit etwas bedingt. Wir denken nicht ohne einen Grund, einen Anstoß. Wir leisten hier also selber geistige Arbeit, während wir beim Glauben meist nur etwas haben, das uns beigebracht wurde, die Umstände (Erziehung, Umwelt, Erfahrungen...) sollen dabei außer Betracht sein, also keine Arbeit verrichten.
Nun bin ich an einer Stelle angelangt, wo sich erneut ein Unterschied zwischen Glauben und Wissen abzeichnet.
Wissen setzt Denken, und Denken ein „Sein“ voraus, die Ebene, auf der wir denken, ist zugleich eine Ebene des Seins. Gedanken sind in dem Sinne seiend, dass sie von uns erschaffen werden, (entstehen), sich entwickeln, (eine Weile währen) und zum Ende gebracht und in etwas anderes umgesetzt werden, in eine Idee, Erkenntnis ... (und wieder vergehen, bzw. in etwas anderes übergehen).
Demnach sind Gedanken seiend. Glauben ist etwas in uns Liegendes, eine Eigenschaft in uns, nicht jedoch etwas sich Entwickelndes in der Form, dass sich der Glaube, das Für-wahr-halten einer Sache, entwickelt oder von sich aus verändert, es geschieht durch äußere Einflüsse, die uns den Anstoß geben, unseren Glauben zu ändern oder zu behalten.
Daher denke ich, dass Glauben zwar - zumindest für einen Einzelnen - etwas Vorhandenes, nicht aber etwas Beweisbares ist.
„Ich denke, also bin ich.“ Wie jedoch lässt sich dieser, angeblich von R. Descartes stammende, Spruch (lat. Original: „Cogito me cogitare“ / „Ich denke, dass ich denke.“) deuten? Ist es nicht so, dass wir, unser Sein, uns dadurch auszeichnen, dass wir uns entwickeln, sowohl körperlich als auch mental? Somit sind die Gedanken, die gezielte und bewusste Beschäftigung mit Gegebenheiten und Situationen, das aus ihnen resultierende Handeln und Lernen, und alles aus dem Denken Hervorgehende ist ein Faktor, der zu unserem Sein beiträgt.
Glauben ist jedoch auch ein Produkt unserer Entwicklung, ja strenger noch betrachtet, auch, jedoch nicht nur, unserer Gedanken.
Ist es doch so, dass wir Dinge nur glauben, wenn man sie uns beigebracht hat, oder wir durch unser eigenes Denken diese für wahr erkennen, und als solches betrachten, etwas, was ab diesem Punkt Glauben ist.
Doch wenn der Glauben zum Teil aus dem Denken resultiert, bzw. aus dem Denken resultieren kann (sowie das Denken im Übrigen auch aus Zweifel am Glauben und der folgenden Beschäftigung mit eben diesem Geglaubten entstehen kann), so ist ein Übergang des Einen in das Andere gegeben. Dies ist jedoch nur möglich, wenn wir davon ausgehen, dass sich beide unterscheiden, denn Gleiches geht selten ineinander über, es hat meist weder eine Grenze noch einen Punkt des Überganges nach innen, Gleiches grenzt sich nach außen gegen Anderes ab, ist im inneren jedoch ohne Grenze und damit ohne Unterschied.
Sollte also kein Unterschied zwischen Glauben und Denken bestehen, müssten diese ohne Grenze verbunden sein, doch dies ist nicht der Fall.
Ich möchte an dieser Stelle noch ein Beispiel nennen:
Sie sagen sich vielleicht: „Ich denke gerade.“ Was geschieht in dem Moment? Nun, als erstes glauben Sie, sind Sie sich doch der Tatsache bewusst, dass Sie denken können, also gibt es im ersten Moment keinen Grund, diese Aussage anzuzweifeln.
Nun fragen sie vielleicht jedoch: „Glaube ich noch, oder denke ich schon?“
In diesem Moment denken Sie. Sie bedenken die verschiedenen Aspekte der Aussage und überprüfen ihre Glaubhaftigkeit. Sie haben also die Schwelle vom Glauben zum Denken überschritten. Sie merken: Hier haben wir eine Grenze, einen Unterschied zwischen Glauben und Denken.
Sie werden zwar zu dem Entschluss kommen, dass ihr Glauben daran, dass Sie in diesem Moment gedacht haben, richtig ist, dennoch haben Sie auf dem Weg zu dieser Erkenntnis (ob nun mehr oder weniger bewusst) eine Grenzlinie überschritten.
In diesem Essay wird sichtbar öfter der Begriff des Denkens, als der des Wissens, gebraucht, was seinen Grund darin findet, dass ich das Denken als unabdingbaren Schritt auf dem Weg zum Wissen ansehe. Somit kann fast durchgehend das Wort "Denken" kongruent als Wort "Wissen" gesehen werden.
Nun bitte ich Sie selber zu urteilen, ob Glauben und Wissen nun eins sind, oder ob sie sich unterscheiden, und wenn ja, wodurch.
K. Kamm
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Aus der ABI-Zeitung des Abiturjahrgangs 2000 am Gymnasium Korschenbroich
GK Philosophie
Lehrer: Herr Peltzer
Spiel mir das Lied vom Paul
In einer fernen Zeit, in einem fernen
Raum, die Stadt Korschenbroich, ein
Bürgertraum.
Das Land freier Menschen, so könnte
es sein, doch mischt sich immer auch Böses
mit ein.
Ein Mann der Wahrheit kam irgendwo
her, mit der Ausdauer wie ein Wolf und ein
Bär;
Beschützer der Schwachen, er trotzt
jeder Gefahr,
als der Lucky Didi bekannt er nur war.
Wer von uns kennt ihn nicht, diesen Anblick? Ein Schal und ein Hütchen zum Schutz gegen diese "Scheiß-Kälte" in den Niederungen der Schule, ein Korb mit Tee und Dokumenten sowie ein Blick, aus dem alles Leid der Welt zu sprechen scheint. So geht er dem Sonnenaufgang entgegen. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Hans-Dieter Peltzer, alias Lucky Didi, verwegener Philo-Cowboy im Auftrag der Gerechtigkeit ist in der Stadt! Gefolgt von einer Bande Gesetzloser, bekannt als "Philo-GK", gleitet sein Blick unerschrocken über die Weiten seiner Anhänger (ca. zehn). Lucky Didi, der Mann, der für jeden (rhetorischen) Gegner nur eine Patrone braucht, zieht schneller als man "Kant" sagen kann. Ein geschulter Totengräber erkennt Didis Handschrift sofort, denn auf jeder seiner Kugeln steht ein Name, Namen wie Aristoteles, Platon, Aquin oder Heidegger, eine präziser und treffsicherer als die andere. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Anhängern das Schießen (Nachdenken und Klausuren und Referate schreiben) beizubringen. Dabei steht von Anfang an fest: Sein Name ist Gesetz, auch wenn er die Zügel locker hält. "Zuerst muss die Distanz zum Ziel mit dem roten Faden abgemessen werden", raunt er durch die rauchgeschwängerte Luft. "Nur so kann man den Zweck (für wahre Cowboys: die Zielscheibe) treffen." Allerdings ist Lucky Didi dabei klar, dass seine Bande von Vogelfreien angemessen verpflegt sein will, zum Beispiel mit selbstgeschossenen Schokoriegeln oder dem inzwischen berühmten "Philo-Kaffee", einem Destillat des Irokesenhäuptlings "Heiße Luft" (alias Meisterreferent Johannes Daners) und seiner Squaw "Kleiner Becher" (alias Meisterkritikerin Christina Heupts). "Ist erst einmal für das leibliche Wohl gesorgt", denkt Lucky Didi, "dann lässt sich auch das Zielen viel besser üben." Die richtige Entscheidung, denn so ist der Philo-GK bereit, bis zu 90 Minuten am Lagerfeuer zu sitzen und seinen Geschichten von dem Stamm der Korschenbroicher Beamten-Indianern oder dem "alten Lied" über seinen Freund Paul Cremer zu lauschen. Geschichten von längst vergangenen, berühmten, historisch aufgearbeiteten Cowboylegenden (Philosophen), die Didis Bande jedoch nicht alle versteht (denn Griechisch, das ist nicht ihr Ding). "Betrachtet die Herde", meint Lucky Didi und lehrt die Gruppe zum Beispiel, dass nach dem guten, alten Friedrich-Wilhelm Nietzsche der Mensch seinem Vieh doch ziemlich ähnlich sein kann. Aber obwohl sich unser Held die größte Mühe gibt, schaffen es manche, bei den Zielübungen nicht immer den Zweck zu treffen, sondern vielmehr, sich die eigenen Füße wegzuschießen. (Nicht wahr, Peter H.?) Andere wiederum legen sogar an, ohne geladen zu haben (Nicht wahr, Frank E.?). Lucky Didi kennt jedoch die Gefahren des Daseins in der Philo-Prärie, lässt dabei stets die sogenannte "clementia" sowie die "humanitas" (für die wahren Cowboys: Milde und Menschlichkeit) walten. Ein Trick, den nur wenige kennen, und den er von seinem Galgenbruder und Mentor Professor Doktor Volkmann-Schluck gelernt hat. Gerade diese Art der Zielübung bringt ihm hohes Ansehen bei seinen Anhängern ein. So beliebt wie er ist, so wird er jedoch auch von der Schar seiner Feinde gefürchtet. Denn Lucky Didi ist dafür bekannt, bei den Klüglingen, die seinen Kopf fordern, immer wieder den Hals aus der Schlinge zu ziehen. Und dies sogar noch mit einem lockeren Spruch, wie "Da sträuben sich dem Philosophen die Haare oben und unten!", "Scherentaktik" nennt er dies. "Man muss sich immer einen Weg offen halten."
Wenn der Tag dann ein Ende findet, sucht unser Held Erholung und Muße in den Armen seines geliebten Cowgirls Reny Freshcorn , die er nur liebevoll "Pütti" nennt. Oder bei seinem Gaul "Jolly Otto" (Schildkröte Otto, eigentlich Ottilie). Bei ihnen schöpft er Kraft, um seine Bande ertragen und schulen zu können. Und so kann der erkennende Betrachter guten Gewissens berichten, dass Cowboy Didi in den zwei Jahren Zielübung immer ein offenes Ohr und einen "nervösen Zeigefinger" am Abzug der Philo-Winchester für seinen Grundkurs parat hatte, so dass man sich bald vielleicht auch in Utah und Laramie die Geschichte von Lucky Didi und seinen gesetzlosen Schießschülern erzählt...
Der Philosophie-Grundkurs
Unzeitgemäße Betrachtungen eines Latein- und Philosophielehrers zur Genesis, Kapitel I, 5
Ausgangspunkt meiner Überlegungen war die Feststellung, dass in den meisten Bibelübersetzungen zu lesen ist: „Es wurde Abend , und es wurde Morgen : (ein) erster Tag.“ Selten: „... ein Tag.“ Martin Luther übersetzt die Stelle - etwa in der Familienbibel von Herrn P. Böhmer aus Halberstadt aus dem Jahre 1843 - so: „ Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“ In jüdischen Pentateuch-Ausgaben dagegen ist zu lesen: „Und es ward Abend und ward Morgen: E i n Tag.“
Es lag also nahe, in den Quellen nachzuschauen. Ich dachte dabei spontan an eine griechische bzw. lateinische Quelle und machte mich auf die Suche nach entsprechenden Texten. Nach anfänglichen Fehlversuchen bei Bekannten, Kollegen und Pfarrern wurde mir „erste“ Hilfe zuteil durch Pater Otho OFM Mönchengladbach, welcher mir zu einem synoptischen Text der „Vetus Latina“ aus dem Jahre 1951 (Verlag Herder) verhalf. So war es mir möglich, erste Vergleiche zu ziehen zwischen den griechischen und lateinischen Quellen. Es fehlten noch ein hebräischer Text als Urquelle und jemand, der in der Lage war, das Hebräische ins Deutsche zu übersetzen und zu erläutern. Beides fand ich bei Herrn Dr. Beihoff aus Düsseldorf, welcher damals in der Jüdischen Kultusgemeinde in Mönchengladbach tätig war. Den für mich entscheidenden Hinweis erhielt ich im Verlauf eines Gesprächs mit Herrn Dr. Beihoff: Dieser erläuterte, dass das hebräische Wort für „es ward“ auch die anderen Zeitstufen, also Gegenwart und Zukunft, m i t beinhaltet und dass außerdem in dem Wort die Buchstaben JHWH für die Namen Jahve, Jahwe, Jehova oder mit Vokalen „adonai“ stecken, also für den Namen Gottes im Alten Testament. Durch dieses Gespräch mutig geworden, erläuterte ich ihm meine Vorstellungen, wie die besagte Textstelle wohl zu übersetzen sei, und zeigte auf, dass die Adverbien bzw. Ablative „vespere“ und „mane“ möglicherweise einen Hinweis darauf geben, dass die vorher genannte Trennung von Licht und Dunkel sich zweimal vollzieht, nämlich „abends“ in der Abenddämmerung und „morgens“ in der Morgendämmerung, und dass dieser z w e i - malige Vorgang überhaupt erst e i n e n Tag ausmacht. Gestützt werden diese meine Überlegungen auch durch die ausführlichen Analysen von B. Jacob in seinem Buch „Genesis“, Verlag KTAV PUBLISHING HOUSE, INC. Hoboken, New Jersey. In diesem Zusammenhang erlaube ich mir einen Hinweis auf den Vorsokratiker Heraklit, welcher in seinen Fragmenten gezeigt hat, dass alle Gegensätze e i n e s sind, zwar nicht immer für die Sinne, wohl aber für den λόγος. Mir scheint, dass Heraklits Gedanke der M i t - Anwesenheit des Einen im gegenteiligen Anderen auch schon in der Genesis I,5 zum Tragen kommt. Deshalb ist es schon von Bedeutung, ob man diese Stelle grammatisch durch zwei Subjekte „Abend“ und „Morgen“ oder - wie in der Vulgata als Sprachquelle bezeugt - durch zwei adverbiale Bestimmungen „abends“ und „morgens“ bzw. „aus Abend und Morgen“ übersetzt. Gestützt wird diese - meine - Theorie übrigens auch durch eine Quelle, welche mir - mit freundlicher Unterstützung durch den Direktor der Hessischen Landes-Bibliothek, Herrn Prof. Dr. H. Broszinski, - erst in jüngster Zeit zur Verfügung steht, nämlich die Biblia Polyglotta aus dem Jahre 1657: Dort heißt es in der „Versio interlinearis ad Textum Hebraicum“ - übrigens 200 Jahre älter als die Vulgata - auf S. 2: „Et fuit vespera (f!), et fuit mane (n!), dies unus.“ und in der lateinischen Interpretation der Arabischen Genesis-Quelle a. a. O. auf S. 3: „Cumque praeteriisset nox et dies , dies unus.“ Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, dass in der Nova Vulgata aus dem Jahre 1986 (Libraria Ed. Vaticana) wieder die alte Vulgata-Fassung zu lesen ist, nämlich: „Fact um (!)que est vespere et mane , dies unus.“ Beide Vulgata-Fassungen sind grammatisch falsch, weil „factum“ Neutrum ist, „dies unus“ jedoch Maskulinum. Grammatisch richtig dagegen sind vor allem zwei lateinische Quellen:
1.) die „Versio interlinearis ad Textum Hebraicum“: „Et fuit vespera , et fuit mane , dies unus.“ und
2.) die „Vetus Latina“: „Et fact a est vesper a (f!) et fact um est mane (n!): [fact us est] dies unus.“
Briefe des Paulus an die Korinther I
XIII, 1-13
Das Hohelied der Liebe
(übersetzt aus dem Griechischen von H.D. Peltzer)
1) Wenn ich mit den Zungen der Menschen spreche und (sogar) [mit den Zungen] der Engel, [wenn ich] die Liebe aber nicht habe, [dann] bin ich ein schallendes Metall oder eine gellende Zimbel* (geworden).
2) Und wenn ich die Gabe eines Propheten habe und alle Geheimnisse und das gesamte Wissen kenne, und wenn ich den gesamten Glauben habe, so dass ich Berge versetzen könnte, [wenn ich] die Liebe aber nicht habe, [dann] bin ich ein Nichts.
3) Und wenn ich all meine Habe [den Armen] zu essen gebe, und wenn ich meinen Leib [als Märtyrer] hingebe, um mich [damit] zu rühmen (verbrennen), [wenn ich] die Liebe aber nicht habe, [dann] nützt es mir nichts.
4) Die Liebe ist langmütig, gütig ist die Liebe: (Sie) ist nicht eifersüchtig, (sie) [die Liebe] prahlt nicht, (sie) bläht sich nicht auf.
5) Sie beträgt sich nicht unanständig, (sie) sucht nicht sich selbst, (sie) lässt sich nicht zum Zorn reizen, (sie) rechnet nicht an (verzeiht) das Böse.
6) Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, (sie) freut sich jedoch mit (an) der Wahrheit.
7) Alles beschützt sie, alles glaubt sie, alles hofft sie, alles hält sie aus.
8) Die Liebe verliert niemals an Kraft: (sei es) Weissagungsgaben jedoch, sie werden an Kraft verlieren, (sei es) Sprachengaben, sie werden aufhören, (sei es) Erkenntnis, sie wird an Kraft verlieren.
9) Aus einem (Bruch-)Teil nämlich erkennen wir, und aus einem (Bruch-)Teil weissagen wir.
10) Sobald aber das Vollkommene kommt, wird das, was aus einem (Bruch-)Teil ist, an Kraft verlieren.
11) Als ich ein Kind war, sprach ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind; seit ich aber ein Mann (geworden) bin, habe ich das, was kindlich war, abgelegt.
12) Denn eben sehen wir noch undeutlich durch einen Spiegel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; eben erkenne ich noch aus einem (Bruch-)Teil, dann aber werde ich [vollkommen] erkennen, wie auch ich [vollkommen] erkannt worden bin.
13) Jetzt aber bleibt [als einheitliches Ganzes] Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die größere aber unter diesen [größer auch als Glaube, Hoffnung zusammen] ist die Liebe.
Anmerkungen:
* Die Zimbel besteht aus Becken von Metall, die – aneinander geschlagen – einen gellenden Ton von sich geben.
a) Was in eckigen Klammern steht, sind sinnvolle Text-Ergänzungen.
b) Was in runden Klammern steht, lässt sich durch den Text belegen.
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