telefonisch übermittelte Gruß- und Dankesworte von unserem stellvertretenden Dezernenten und früheren Kollegen Dr. Bubolz, welcher gern „auf einen Sprung“ vorbeigekommen wäre, jedoch dienstlich verhindert ist, und
dieses Bild vom „Feuervogel“, geschaffen von unserer ehemaligen Schülerin S. Itzel aus dem Jahre 2002.
Jetzt sind Sie vielleicht erstaunt und fragen, was das 2.) mit einem Abschied zu tun hat. Lassen Sie mich Ihre Fragen dadurch beantworten, dass ich Ihnen ein russisches Märchen vortrage:
„In einem fernen Land hält der böse Zauberer Kastschei die Zarentochter Wassilissa gefangen, die Zarewitsch Ivan befreien und anschließend heiraten möchte. Auf seiner Suche nach ihr begegnet er dem von allen bewunderten Feuervogel, welchen er fängt. Auf vielfaches Bitten hin gewährt er ihm jedoch die Freiheit. Als Dank dafür erhält er eine goldene Feder, mit der er den Feuervogel rufen kann, wenn Gefahr droht. Kurz darauf findet Ivan die Zarentochter Wassilissa und bekommt von Kastschei drei für ihn unlösbare Aufgaben gestellt, deren Erfüllung die Freilassung Wassilissas bedeutet. Der herbeigerufene Feuervogel hilft ihm, die Aufgaben zu lösen, opfert sich am Ende selbst und vernichtet damit den bösen Zauberer. Aber: Der Körper des Vogels brannte mit heller Flamme, verbrannte zu Asche, und aus der Asche flog der Feuervogel, lebendig und schöner als je zuvor.“
Möge dieses Märchen Ihnen, die Sie an der Schule noch weiterhin verweilen, immer dann Hilfe und Kraft geben, wenn Sie vor unlösbaren Aufgaben zu stehen scheinen!
Gedanken zu Bernds 60. Geburtstag
von „Didi“ Peltzer
Lieber Bernd, liebe Anwesende,
mein liebes Geburtstagskind, ich habe Dir etwas mitgebracht. Zu erkennen sind die mächtigen Türme des Kölner Doms. Jetzt bist Du zu Recht erstaunt und fragst nach dem Zusammenhang. Auch im Raum sehe ich viele verdutzte Gesichter. Wir werden den Zusammenhang gleich gemeinsam erkennen.
Du feierst heute Deinen 60. Geburtstag, welcher ein Tag der Freude sein soll. Gestern und in den Tagen davor konntest Du Dir ein Bild davon machen, was es bedeutet, wenn in der Sprache der Existenzial-Philosophie von „der gewaltsamen Macht des machenschaftlichen Denkens“ die Rede ist, ein Denken, über das nicht viel nachgedacht wird - trotz Nietzsches „Wille zur Macht“.
Aber, lieber Bernd, heute möchte ich Dir zeigen, dass es noch eine andere Macht gibt, nämlich die gewaltlose Macht des liebenden Denkens, wie sie der Dichter Exupéry formuliert hat, indem er sagt: „Stifte die Liebe zu den Türmen, die die Wüste beherrschen!“
Wir beide wissen, dass unheimlicher noch als die „Zerstörung“ eines Arbeitsplatzes die „Verwüstung“ selbst ist.
Wir mussten jetzt auch in der Schule erleben, dass wir in einem Zeitalter der „Verwüstung“ leben – insofern, als alles nur noch der Planung und Berechnung unterworfen wird bis in den Bereich der Sprache hinein, die – mehr und mehr – zu einem Instrument der Information und damit zugleich der Nicht-Information umgebildet wird.
Der Dichter Exupéry dachte wohl an andere Türme, etwa an solche, von denen herab es läutet und die den Stundengang der Tage und Jahre zeigen. Von diesen Türmen läutet auch das Geläut der Stille: jenes Sagen, in dem die Dichter und die Denkenden zu sprechen versuchen.
„Die Liebe zu den Türmen“ zu stiften, zu gründen und Dir heute in Form eines Bildes von den Türmen des Kölner Domes zu schenken, ist mir daher - bei allem Leid - eine große Freude!
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Didi geht
von Bernd Steinhauer
Irgendwo hat der Friseur zuviel weggenommen. Irgendwie ist da zuviel im Korb, den er mit sich schwenkend in jede Klasse nimmt. Der Korb stört auch die Sitzmöglichkeiten links von ihm auf dem Tisch im Lehrerzimmer. Man muss einmal versuchen, neben diesem Didi und seinem Korb her zu gehen. Er geht irgendwie zu breitbeinig. Er braucht zuviel Platz. Er sitzt nicht am Tisch im Lehrerzimmer, sondern neben der von ihm eingenommenen Hälfte des Tisches, so dass man an ihm nicht vorbei kommt. Dabei kann es auch geschehen, dass der Kollege rechts von ihm nur seinen Rücken sieht. Irgendwie ist Didi zuviel da!
Es ist gut, dass der Kollege rechts von ihm (am Tisch im Lehrerzimmer, nicht politisch gemeint, das ginge wohl kaum, noch rechts von der ‚Bild' zu sein) schon seit seiner Kindheit an Hunde gewöhnt ist; die schnappen auch nach dem Unterarm, wenn sie auf etwas für sie Wichtiges aufmerksam machen wollen. Hunde tun es mit der Schnauze, Didi mit Hand und Schnauze. Bei beiden bleiben blaue Flecken. Auch hier ist etwas zuviel Didi da.
Wenn die Schulleitung meint, sie könne den Didi-Bereich beschneiden, ihn ein wenig einengen, ihm etwas von seinem Platz nehmen, den dieser beachtlich große und immer wohl behütete Mann einnimmt, dann muss sie feststellen: Didi braucht viel Platz und dann kann auch in den Augen der Schulleitung plötzlich zuviel Didi da sein. Etwa in einem Rollenspiel, das er mit dem Deputy veranstaltet oder bei Fragen nach dem Sinn einer Maßnahme in der Besprechung der A 15er. Da hatte man wohl vergessen, dass Didi schon als Philosoph ein angestammtes Recht auf die Sinnfrage hat. Dann denken sie: es ist zuviel Didi da. Ob die Chefin das nicht auch manchmal gedacht hat, wenn sie eher grübelnd ins Lehrerzimmer kommt und sie ihre Sorgen ein wenig verringern will, indem sie mit dem einen oder anderen Dammers spricht und ihr dann ein freundliches, aber viel zu lautes „Guten Morgen, Chefin“ entgegen tönt?
Ganz eklatant war ein zu vieler Didi, als seinen rechten Tischnachbarn (das ist der mit den blauen Flecken am Unterarm) die Versetzung traf. Das durfte Didi aber nun wirklich nicht! Er hat Gefühle gezeigt. Zuerst den Schülern gegenüber, was den im oben erwähnten Rollenspiel gebeutelten Deputy dazu veranlasste, in der nächsten Konferenz das Verbot auszusprechen, gegenüber den Schülern keine persönlichen Mitteilungen zu machen, da dies ja nicht im Curriculum stehe. Schon gar nicht dürfe man vor der Klasse Gefühle zeigen, die gingen die Schüler nichts an. Didi weinte vor den Schülern aus Menschlichkeit und wahrscheinlich auch schon, weil er ahnte, dass diese Art von Menschlichkeit vom Deputy bald verboten werden würde. Statt Tränen besonn sich der Philosoph am nächsten Tag auf seine rhetorischen Fähigkeiten, die nach Jahrzehnte langem Schlummer nun endlich geballt auf das Kollegium hereinstürzten. Die Macht der Menschlichkeit wurde gefordert, die der Herrschaft der Verwaltung, im Griechischen ‚Bürokratie' genannt, hatte weichen müssen. Angesichts der anschaulichen Bilder in dieser Rede konnte die Chefin nur gebannt wegschauen. Der Deputy fehlte. Das Kollegium war in seiner Betroffenheit stumm. – Auch hier: Einfach zuviel Didi!
Schüler kennen Didi als einen Lehrer, der „den Ausgleich bildet zu den Lehrern, die Schule unangenehm machen“ (Daniela Laufenberg, Schülerin des diesjährigen Abiturjahrgangs). Er versteht es, den Schülern den Blick auf das Wichtige zu vermitteln. Dabei kann der so genannte Unterrichtsstoff auch schon mal zu kurz kommen. - Im Unterschied zu seinem Erscheinen vor den Kollegen und vor allem der Schulleitung denken die Schüler nicht, dass es zuviel Didi gibt. Sie wünschen sich, dass es mehr Lehrer gäbe, die den Schulalltag mit Bonmots und Pütti-Plätzchen bereicherten. Zuwenig Didi wird angemahnt. Mit gutem Gespür für das Wichtige im Leben bekommt Didi manchmal eine E-Mail von dankbaren Schülern, die ihn bestärken, lieber zuviel Didi zu sein. Ein weiteres Zitat eines Schülers der Jahrgangsstufe 11 mag für sich sprechen: „Bei Peltzer haben wir in Latein in einem halben Jahr mehr gelernt als in zwei Jahren bei der blöden Ziege“ (gemeint ist eine Kollegin im Ruhestand).
Was geschieht nun, wenn ein beamteter Mensch seine Arbeitsstätte verlässt, der von den einen als zuviel und den anderen bedauernd als Exemplar einer zu selten vorkommenden Spezies Lehrer empfunden wird? – Wir wissen es heute noch nicht, auch werde ich als der Kollege mit den blauen Flecken am Unterarm es nicht beobachten können, da mich die oben erwähnte Bürokratie mit ihrem Hang zur Statistikkosmetik an eine andere Schule verschlagen hat. Ich befürchte, dass vor allem die Schulleitung, aber auch andere Kollegen, die dir, lieber Didi, eigentlich nicht das Wasser reichen können, die freie Aussicht über deinen Stammtisch als befreiend empfinden werden. Endlich bist du für sie nicht mehr zuviel da! Andere Kollegen, die dich und deine Pütti-Kekse zu schätzen wussten, werden sich wohl fatalistisch in den Lauf des Lebens, zu welchem das Kommen und Gehen gehört, hinein finden. Vielleicht merken sie aber auch schon bald, dass deine Kekse symbolisch für dich standen: Sie haben gut getan und weiter geholfen. – Du hast gut getan und weiter geholfen.
Ganz sicher werden dich deine Schüler vermissen. Wieder ein Zitat aus Schülermund, dieses Mal aus der Jahrgangsstufe 9: „Was konnte uns Schlimmeres passieren, als dass Peltzer und Steinhauer gleichzeitig gehen?“ Mir tut es gut, mit dir in einem Zusammenhang genannt zu werden, denn Schüler haben dich mir gegenüber immer nur in positiver Weise erwähnt, auch wenn sie um unsere Freundschaft nicht wussten. Welcher Lehrer kann mit diesem Bewusstsein in die Pension gehen? – Meine Schüler haben mich immer nur als gut empfunden!
Meinen ehrlichen Wunsch für deine Zukunft fasse ich zusammen, indem ich mich traue, meine geringen Lateinkenntnisse zusammen zu raffen:
Transeas usque ad patriam spiritus tui: ad humanitatem et fructum bonum!
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